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Ein Abend mit H.P.Schwöbel

Unsa Muddaschbrooch

Ein gelungener Abend mit Prof. Dr. Hans-Peter Schwoebel in der Johannes Calvin Kirche

Schwoebel

Zur Eröffnung des diesjährigen Gemeindefestes der evangelischen Kirche Friedrichsfeld war am Samstagabend der Kabarettist Hans-Peter Schwoebel eingeladen worden. Die Initiative dazu ergriff über den Ältestenrat der Kirche, Frau Adam. Da Prof. Dr. Schwoebel noch nie in Friedrichsfeld bei einer Veranstaltung auftrat, wurde es in seinem 30 jährigen Jubiläumsjahr, höchste Zeit, unser „schänes Friederichsfeld “ oder zumindest die evangelische Kirche kennenzulernen. Mit ihm wurde nicht irgendwer eingeladen, sondern ein in Mannheim und Umgebung bestens bekannter, vielseitiger und geschätzter Künstler. Deshalb war dieser Abend auch ein Ereignis für die erschienen Zuhörer.
  Herr Schwoebel ist Kabarettist, Schriftsteller und Sozialwissenschaftler aus der Mannheimer Kurpfalz. Er bietet Kabarett, Satire, Poesie, Lyrik, kurpfälzer Dialekt, Predigten und mehr an . Seit 2007 erscheint im Mannheimer Wochenblatt regelmäßig seine Kolumne „Schwoebels Woche“, die immer spannend, interessant, aber durch den geschriebenen Dialekt nicht immer leicht zu lesen ist, denn wer hat schon die Rechtschreibung unseres Dialektes in der Schule gelernt.
  Er ist mit Recht Träger des „Bloomaul“-Ordens, da er den Menschen „auf’s Maul“ schaut, aber nicht nach dem Mund redet. Er bezieht Stellung zu gesellschaftlich bedeutsamen Themen, ruft aber auch auf, über kleine, alltägliche Probleme nachzudenken und zu diskutieren.

Publikum

Fotos: Von Beeren

Er ist ein Verfechter unseres kurpfälzer Dialektes, unserer „Schprooch“. Er hat das „ Herz auf der Zunge.“ Darüber erreicht er die Menschen sehr persönlich. Durch ihn ist der kurzpfälzer Dialekt wieder gesellschaftsfähig geworden. Wenn „ä rischtischer Proffessor monnemerisch babbelt“, dann trauen sich wieder viele Menschen zu ihrem Dialekt zu stehen. Aber neben dem Sprechen ist bei ihm auch immer der Inhalt wichtig, Schwoebel will kein dummes Gebabbel. Er beschreibt menschliches Miteinander, zeigt politische Zusammenhänge auf und ist immer kritisch . Stets erzählt er von der Lebenslust der Kurpfälzer . Durch seine Vorträge zeigt er glaubhaft seine Liebe zu den Kurpfälzern , deren Sprache und Lebensart. Das kann er nur, weil er ein Kurpfälzer ist. Seine Vorträge regen zum Mitdenken, Nachdenken und last but not least zum Lachen an.
Vor der Veranstaltung konnten sich die Gäste im Gemeindesaal bei „Brodworscht und Kardoffelsalad“ stärken.
Um 20 Uhr war es dann soweit. Das Programm stand unter dem Thema : „ Weit und lischt un die Sunn im Gsischt“, was heißt, Lust auf Sprache, Lust auf Heimat, Lust auf Lachen, Lust auf Denken.
Zunächst begrüßte Pfarrer Jäck den Künstler und die anwesenden Gäste herzlich.
  Hans-Peter Schwoebel begann mit einem Zitat von Lothar Zenetti.
Erst danach begrüßte der Professor seine Gäste. Das Programm gliederte sich in zwei Teile und einer kleinen Pause dazwischen, zum Stärken .
Im ersten Teil wurden folgende Beiträge in „monnemarisch“ vorgetragen: Eine Liebeserklärung an die Kurpfalz und die Menschen dort, die gerne feiern; das 60 jährige Jubiläum Baden-Württembergs. Laut Schwoebel erreichen die Schwaben Platz 1 beim fleißig sein, die Kurpfälzer aber erreichen Platz 1 für ihre Lust am Feiern . Der inhaltliche Schwerpunkt des vorgetragenen Rapps war „wir Kurpfälzer leben gern, bevor wir sterben.
Weiter ging es mit dem weltgrößten Weinfest in der Pfalz, dem „Dirkemer „ , Dürkheimer Weinfest, sowie der Schilderung eines Empfanges mit Fingerfood.
Der nächste Programmpunkt war eine Liebeserklärung an die Rheinebene, dieses Mal auf hochdeutsch. Wunderschöne Lyrik – eine schöne Naturbeschreibung , „das Rheintal schmeckt nach Früchten, Wein und Brot.“ Weitere auf hochdeutsch vorgetragene lyrische Texte waren über Heimweh, Fernweh , Sonnenblume , Efeu und eine Liebeserklärung an die Hummel.
Der letzte Vortrag vor der Pause war eine „ Hymne an die Mutterschprooch“, „ mit unserer Mutterschprooch kann man sich wohlfühlen“.
Bei allen diesen wunderbar vorgetragenen Stücken, spürten die Zuhörer die Wärme, die Lebendigkeit und Musikalität unseres Dialektes.
Nach der Pause ging es gleich Schlag auf Schlag weiter. Dem ersten Beitrag „Arm dro“, folgte der Vortrag „Handy und das Fratzebuch“, indem Schwoebel das freiwillige Veröffentlichen des Privaten anprangerte und Orwells Roman 1984 dagegen als idyllischer Heimatroman bezeichnete. Ein weiteres Thema war die kritische Auseinandersetzung mit der Integration. Dabei betonte er in seinem Vortrag , wie wichtig es sei „ Bürgerbewußtsein“ zu lernen. „ Es kann nicht jeder machen, was er will“ - diese Einstellung sieht er als Verwahrlosung unserer Gesellschaft, die Angst machen muss. Hier erwähnte Schwoebel, die Aktion in Friedrichsfeld mit der „Hundewiese“ und lobte diese Aktion und das Engagement solcher Mitbürger . Zwei weitere Vorträge folgten noch, nämlich „Dialog mit meinen schwäbischen Brüdern“ und ein autobiographischer Vortrag „Monnema Fetzä“ (Augenblicke), in dem er seinem Publikum aus seinem Leben und seiner Verbundenheit zu unserer Kurpfalz erzählte.
Zum Schluss bedankte sich Prof. Dr. Schwoebel noch bei Familie Adams für die Idee und die Vermittlung dieses Abends.
Über seinen Schlussvortrag , den bekannten Kurpfalzblues , wird sich so mancher Zuhörer gefreut haben.
Während der gesamten Veranstaltung hatte der Künstler natürlich wieder sein Markenzeichen dabei, die Gutsel. Zuhörer, die Wörter wie Bobelle, Borzel, Biwwel, dreckiger Banckert, uffbasse, Huddel + Nuddel, rappelderr, Fetzä und viele weitere Wörter hochdeutsch übersetzen konnten, erhielten zur Belohnung ein Gutsel. Ein Zuhörer in den vorderen Reihen, sammelte fleißig einen ganzen Vorrat.
Zum Abschluss bedankten sich das Publikum und Pfarrer Jäck herzlich mit Worten und viel Applaus für diesen unterhaltsamen Abend . Natürlich ließen Sie den Redner nicht ohne eine Zugabe gehen. Mit dem wichtigsten Wort unserer „Mutterschprooch“ Alla, das aus dem französischen kommt und daher nicht zu verwechseln ist mit Allah, verabschiedete sich Prof. Dr. Hans-Peter Schwoebel dann endgültig von seinem Publikum.
Ein anregender, unterhaltsamer und liebenswerter Abend war zu Ende.
vb

 

 
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